Atom- und Wasserkraft - Was sonst?

In der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Schweizer Energiepolitik werden alte Vorurteile neu bedient. Mit fantasievollen Statistiken versuchen Atomgegner den Holocaust sowjetischer Machart von 1986 in die Gegenwart zu hieven. Apologeten auf der anderen Seite weisen auf neue Technologien hin und versichern den gutmütigen Aargauern, ein paar weitere Meiler würden ihren Bodenpreisen nicht schaden.

Was mir fehlt ist eine sachliche Betrachtung der energiepolitischen Tatsachen. Der Energiebedarf der Schweiz wird entweder durch Strom aus dem Ausland, aus eigener Produktion oder gar nicht gedeckt.

Variante 1 - Fremdstrom
Meinungsverschiedenheiten zum Thema Atomkraft basieren oft auf gegensätzlichen ethischen Verständnissen. Wer das minimale Grundrisiko eines GAU für vernachlässigbar hält, hat ein anderes ethisches Seelenkostüm als jene, denen die schiere Existenz eines Risikos - egal welcher Grösse - bereits genug ist, eine Technologie zu verwerfen.

Leider finden sich diese beiden Gruppen beim aktuellen Thema auch nicht, wenn einfach nichts geschieht: Importiert die Schweiz ihren in Zukunft benötigten Strom, überlässt sie die Technologiefrage Anderen und muss mit den ethischen Gegebenheiten der Produktionsländer leben. Man kann nicht den Export von atomaren Abfällen in die Dritte Welt für unethisch halten, im gleichen Zug aber Atomstrom aus bröckelnden Supermeilern der Siebziger importieren weil man selber nicht bereit ist, zu Hause das Risiko zu tragen.

Variante 2 - Eigenproduktion
Will die Schweiz energietechnisch unabhängig bleiben, muss sie in der Lage sein ihre Nachfrage selber zu decken. Der heutige Mix von Wasser (55%), Atom (40%) und Alternativ (5%) ist nicht ideologisch begründet, viel mehr steht hier die Effizienz im Vordergrund. Wasser- und Atomkraftwerde sind sauber, bewährt, unfallfrei, effizient und können im Bedarfsfall nahezu rund um die Uhr in Betrieb genommen werden. Wind und Solar leiden an den immer gleichen "Kinderkrankheiten": teuer, ineffizient, meist im Stillstand. Es gleicht einer Zwängerei, bei diesen beiden Alternativenergien immer noch von einer neuartigen Energierevolution zu reden die es zu fördern gilt: beide Technologien gibt es seit Jahrzehnten und sie sind immer noch nicht ausgereift und werden es wohl auch nie werden. Was bleibt? Gas oder Kohle; bestimmt mit der Angst vor dem totalen Klimahorror nicht vereinbar.

Variante 3 - Stromsparen
Kocht die ganze Nation mit 2cm Wasser und ist das letzte Haus isoliert lässt sich ein ansehnlicher Haufen Strom sparen. Dies ist erstrebenswert, bietet es doch fast nur Vorteile: der Konsument spart Geld, der Staat muss weniger früh wieder eine Diskussion um auftretende Energielücken anfeuern und die Umweltschützer sehen den Klimahorror abgemildert. Tatsache ist allerdings, dass unser Energiebedarf steigt, relativ egal was wir machen. Lediglich auf die Geschwindigkeit der Steigerung kommt es an. So lobenswert eine extrem stromsparende Gesellschaft auch wäre, sie verzögert die Problematik der Versorgungslück lediglich zeitlich. Einmal mehr würden wir die Diskussion schubladisieren, nur um sie in 10 Jahren erneut zu führen.

Variante 4 - Zurück zum Wald
Was einige Zweifler der Versorgungslücke wirklich meinen, wenn sie neue Energieprojekte bekämpfen ist klar: zurück zu einer verklärten Version der Natur. Diese menschenfeindliche Einstellung ist nicht weiter zu kommentieren, ausser vielleicht damit: Zurück zur Natur bedeutet Hunger, Krankheit, Krieg, Rechtlosigkeit, Kindersterblichkeit, Ausbeutung und das Ende unserer Zivilisation.

Ich glaube, wir haben keine Wahl: mehr Wasser oder mehr Atom. Könnten wir uns auf diese beiden Varianten beschränken, bitte?

Cry me a river!

Ein gutes Merkmal für die Rechtmässigkeit einer rechtsstaatlichen Aktion ist oft der Pegel des Geschreis der Künstlerkaste.

Der seit 30 Jahren flüchtige Kindervergewaltiger Roman Polanski konnte am Sonntag endlich in Zürich festgenommen werden. Dies nachdem Interpol im Jahr 2005 seine Verhaftung angeordnet hatte. Frankreich, welches auch gerne mal Strassen nach amerikanischen Polizistenmördern benennt, hatte jahrzehntelang ein Rechtshilfegesuch der US Justiz ignoriert.

Scheinbar erscheinen so lapidare Dinge wie die Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation (187 Mitgliedstaaten) und Rechtshilfegesuche zwischen verbündeten Staaten nicht so weit oben auf der Liste der Künster wie die Qualität der Arbeit eines Gesuchten.

Copkiller Mumia Abu-Jamal schrieb schliesslich nette Texte, Vierfachmörder Tookie Williams herzige Kinderbücher und Polanski gute Filme.

Die sonst stets auf Internationales Recht pochende Schweizer Servelat-Intelligenzia macht sich gerade kollektiv lächerlich. Hier ein paar Auszüge:
Man hätte ja unzählige Gelegenheiten gehabt, Polanski schon vorher zu schnappen. Ich weiss nicht, was es zu bedeuten hat, dass man ihn ausgerechnet jetzt in Zürich verhaftet hat.
-- Bettina Oberli, Filmregisseurin
Hat die Justiz neuerdings eine begrenzte Anzahl Versuche, um einen Gesuchten zu verhaften?
Die Verhaftung von Roman Polanski ist peinlich und beschämend für die Schweiz. Ich bin selbstverständlich für Rechtsgleichheit. Aber ich verstehe nicht, weshalb sich die Schweiz jetzt bemüssigt fühlt, den USA zuliebe den Musterschüler zu spielen.
-- Micha Lewinsky, Filmregisseur
Rechtsgleichheit für Alle! Ausser für Regisseure.
Der Zeitpunkt der Verhaftung ist völlig willkürlich, ich habe Roman Polanski x-mal in Gstaad gesehen.
-- This Brunner, langjähriger Chef der Arthouse-Kinos
Gstaad scheint ein rechtsfreier Raum zu sein.
Ich schäme mich in diesem Moment, Schweizer zu sein. [...] Mit der Verhaftung desavouiert man auch das Zurich Film Festival.
-- Christian Frei, Dokumentarfilmer
Viertklassige Filmfestivals vor Rechtsgleichheit - ein klarer Fall.
Als ich von seiner Verhaftung erfahren habe, habe ich einen Weinkrampf erlitten. Ich kenne Polanski seit 25 Jahren, er ist ein Genie.
-- Otto Wisser, Fotograf
Und ein Kinderficker. Leider schliessen sich diese Eigenschaften nicht aus.

Quelle: Der Bund

Obambi loves you

The Obama administration will scrap the controversial missile defense shield program in Eastern Europe, a senior administration official confirms -- a move likely to please Russia, which had fiercely opposed the plans.
Genau was Russland braucht: Streicheleinheiten von einem schwachen Amerika.

Quelle: CNN

Farewell, old friend!

Der Super-GAU ist eingetreten, No Blood for Sauerkraut stellt den für den Westen existenziellen Betrieb ein.
Um ehrlich zu sein, habe ich keine wirkliche Lust mehr zum Bloggen. Das hat gar nicht mal primär was mit dem Schreiben selbst zu tun, sondern vor allem damit, daß mich die aktuelle Politik nicht mal mehr ausreichend ärgert, um süffig darüber zu lamentieren.
[...]
Letztlich ist NBFS halt doch ein NeoCon-Blog, und nach dem Abgang Bushs sowie dem offensichtlichen Ende der nach ihm benannten Doktrin fehlt irgendwie der positive Bezugspunkt, durch den es erst richtig Spaß macht, sich über das dilettantische Herumgestümpere Obamas angemessen aufzuregen. Dafür, sich nur in historischen Betrachtungen zu verlieren, fehlt mir hingegen die Muße.
Paul13 ist zu verstehen. Jahrelang hat er (fast) alleine gekämpft, musste sich Bunkermentalität vorwerfen lassen und wurde trotzdem nie müde, sich Tag für Tag mit den selben feindseligen Kommentatoren rumzuprügeln. Nie liess er seine Opponenten das letzte Wort haben, nie war er um ein noch nicht genanntes Argument oder eine frische Quelle verlegen. Bei Freund und Feind respektiert verlässt uns hier ein Gigant des Politblogging jenseits des Mainstream.

Wer verstehen will, warum NeoCons auch nur denkende Menschen mit validen Argumenten, nachvollziehbarer Idiologie und auch Humor sind, sollte das Blättern im hoffentlich noch lange online erreichbaren Archiv nicht lassen. An keinem anderen Ort im Internet sind die Argumente der „Generation Irakkrieg„ so nachhaltig verewigt und so eloquent formuliert.

Randnotiz: Der Irre mit dem Kugelschreiber

Zum gefragten Mann wurde dank der Libyen-Affäre wieder einmal Jean Ziegler, Soziologe, SP-Politiker und intimer Kenner verschiedenster Diktatoren.
[...]
Auf die Frage des Migros-Magazins, ob die Verhaftung von Gaddafis Sohn tatsächlich eine Panne gewesen sei, antwortete Ziegler, es ernst meinend: „Ja, die Genfer Polizei ist vom israelischen Geheimdienst manipuliert worden.“
Voilà. So muss es gewesen sein.

Quelle: Weltwoche

Aussenpolitik – Zum Scheitern verurteilte Versuche der Schweiz

Die schweizerische Neutralität hat Jahrzehnte lang eine wirkungsvolle Aussenpolitik der Schweiz verhindert. Übung macht den Meister, und an dieser fehlenden Übung scheint das Land heute zu kranken. Lange bevor Calmy-Ray und Merz stand es im Kleinstaat schlecht um die Vertretung nationaler Interessen auf der Weltbühne.

In den Neunzigern unfähig, den schwierigen Umgang mit der eigenen Geschichte im zweiten Weltkrieg verlustfrei gegenüber der Weltgemeinschaft zu vertreten, war eine Demütigung in Folge der durchaus gerechtfertigten und gutgeheissenen Klagen jüdischer Interessengruppen an die Adresse der Schweizer Banken unausweichlich. Der kleine Schurkenstaat im Herzen Europas war geboren.

Eine effektive Aussenpolitik sollte zum Ziel haben, Angriffe von Aussen auf der diplomatischen Ebene wirkungsvoll zu entkräften, bevor diese zur Krise wachsen. Wer in den letzten Monaten gut aufgepasst hat, stellt fest, dass genau diese Methode hierzulande nicht angewendet wird. Ein Angriff auf die Schweiz oder ihre Institutionen und Traditionen wird in aller Regel mit allgemeinem Chaos in der Exekutive beantwortet.

Fabuliert etwa ein Finanzminister aus Deutschland polemisch von der Kavallerie ist ein Einknicken unserer Regierung in Steuerfragen voraussehbar. Nimmt ein nordafrikanischer Diktator aus Vergeltung für die Demütigung seines Sohnes in einem Genfer Hotel Geiseln, kann dieser davon ausgehen, dass genau gar nichts geschieht. Übt eine Grossmacht mit allen Mitteln Druck auf unser Bankensystem aus, schickt die Schweiz zwei Unfähige ins Gefecht – mit dem Resultat, dass eine hundertjährige Tradition die nicht unwesentlich für den Wohlstand unserer Gesellschaft verantwortlich ist einfach abgeschafft wird.

Nationale Interessen haben nichts mit Moral zu tun. Ist das Bankgeheimnis über alle Zweifel erhaben? Sicher nicht. Hatten unsere Banken bezüglich der namenlosen Konten Dreck am Stecken? Gewiss. Eine geschickte Aussenpolitik steckt aber den Horizont weiter. Sie stellt Probleme in den Kontext längerfristiger Planung. Es ist beispielsweise nicht moralisch, ausländische Steuerbetrüger zu schützen. Das Wohl unseres Finanzplatzes kommt allerdings in der Prioritätenliste weit vor dem der IRS.

Kein Land – auch wenn es noch so friedlich ist – kann es sich leisten, dass seine Bürger als Geiseln gehalten werden. Kein westliches Land würde in diesem Fall einen Kniefall der Ausprägung Merz produzieren und einen „Vertrag“ nach Hause bringen, der dem Gegenüber alles eingesteht und in dem die Geiseln mit keinem Wort erwähnt werden. Mit Verlaub: starke Länder hätten längst ihre Bomber getankt.

Aussenpolitik darf sich auch nicht darauf beschränken, gutgemeinte aber nutzlose private Vorhaben wie das der „Genfer Initiative“ wochenlange breitzuschlagen, als lägen hier wirkliche nationale Interessen vor.

Es ist in all dem schlicht keine Linie, keine Strategie, keine Verfolgung langfristiger Ziele zu erkennen. Der Bundesrat eilt von Krise zu Krise, von Ohrfeige zu Ohrfeige, stets unvorbereitet, uneinig und planlos. Es ist an der Zeit, hier Änderungen vorzunehmen. Es soll unserem Staat nicht verwehrt sein, für seine Interessen einzustehen.

We come in Peace

Die amerikanische Marine hat bekanntgegeben, dass vor der US Ostküste mehrere russische U-Boote gesichtet wurden. Die imperialistischen USA konnten es nicht lassen, gleich mit dem Säbel zu rasseln.
Pentagon spokesman Geoff Morrell said their presence is not causing alarms to go off.

"So long as they are operating in international waters, as, frankly, we do around the world, and are behaving in a responsible way, they are certainly free to do so, and it doesn't cause any alarm within this building," he said.
...
"There is no need to overreact," the senior defense official said.
Provoziert durch das andauernde Machtgehabe der westlichen Welt verkündete Russland bereits vor sechs Monaten die friedliche Mission der Marine:
In December, a Russian spokesman said that tour demonstrated "Russia's ability to fly its naval flag and ensure protection of its national interests in the world theater."
Russia's back. In Peace.

Quelle: CNN

Sisyphos veröffentlicht Liberales Programm 2009

Anlässlich des 1. Augusts darf ich wieder an meine schon fast traditionelle Auflistung liberaler und freiheitlicher Forderungen an die Schweiz anknüpfen, die wie jedes Jahr leicht angepasst daher kommt.
Das neuste Werk ist für Liberale ein Genuss, für Obrigkeitshörige und Paläo-konservative eine Roadmap direkt in deren Hölle.

Waffenruhe in Afghanistan?

A pre-dawn salvo of at least eight rockets slammed into the Afghan capital, Kabul, on Tuesday, Afghan officials said.

No one was injured by the attack, said Najib Nikzad, a spokesman for Afghanistan's Interior Ministry. It marked the first time in at least five years that so many rockets hit Kabul within a short time, he added.
Eine Woche nachdem Karsai eine vermeintliche Waffenruhe mit "Talibankämpfern" vereinbarte, melden sich die echten Taliban zurück. Das Ziel ist klar: die Bevölkerung derart zu verängstigen, dass diese den Wahlen am 20. August fernbleibt. Die NATO scheint im Moment machtlos in Anbetracht der schwierigen Sicherheitslage und dies bedeutet, dass am Ende die Menschen in Afghanistan selber entscheiden, ob sie dem Terror trotzen und über ihre Zukunft entscheiden, oder nicht. Man kann ihnen nur Kraft wünschen.

Rasmussen bleibt auf jeden Fall hart.
NATO's new secretary general, former Danish Prime Minister Anders Fogh Rasmussen, said Monday the alliance will stay in Afghanistan "for as long as it takes," calling success in Afghanistan NATO's top priority.
Quelle: CNN

The Swiss Option

In den USA tobt der Kampf um das Gesundheitswesen. Die Linke will endlich eine Lösung für die 47 Millionen Amerikaner ohne Krankenkasse, die Rechte sieht den überbordenden Staat einen weiteren persönlichen Lebensbereich der Bürger wie auch den freien Markt anschneiden.

Wer sich mit dem Health Care System der USA auseinandersetzt, kann als Aussenstehender nüchtern betrachtet die folgenden Feststellungen machen.

Anarchokapitalistische Health Care ist des Teufels

Regiert – wie in den USA – für Erwachsene unterhalb der Rentnerschwelle der reine Markt, gelten die uralten Regeln desselben. Erwünscht ist für eine Krankenkasse nur jener Kunde, der mit seinen zeitweiligen Leiden nach Abwälzung der Kosten auf gesündere Patienten nicht das Budget der Firma belastet. Chronisch Kranke, Risikopatienten und andere potentiell reissende Geldbäche werden nicht in die Versorgung aufgenommen oder müssen mit Beiträgen rechnen, welche für Normalverdiener unerschwinglich sind. Dies hat wohlgemerkt nichts mit fehlender Moral zu tun: eine Krankenkasse die diese Methode nicht anwendet wird Konkurs gehen, es sei denn sie stösst auf ein übernatürlich grosses Vorkommen an kerngesunden Mönchen. Darüber hinaus darf man feststellen, dass es eines westlichen Landes unwürdig ist, dass sich Leute dafür entscheiden müssen einen Abszess weiter eitern zu lassen, weil das Geld für den Arzt und das Antibiotikum fehlt.

Staatliche Health Care ist des Teufels

Die Wunsch nach einer rein staatlichen Grundversorgung der Linken in den USA ist nicht ohne glühende Vorreiterbeispiele: in Grossbritannien herrscht notorische Bettenknappheit die dazu führen kann, dass ein Kind keine Herzoperation erhält, in Kanada werden Patientinnen in Wehen quer durch das Land geflogen und im Helikopter entbunden weil Kreissäle fehlen, und in England - erneut - fehlt es an Ärzten, weil ein Einkommensmaximum für keinerlei Anreize sorgt, diesen schwierigen Beruf auszuüben. Die Menschen in den angesprochenen Ländern sind nicht zufrieden mit ihrer staatlichen Lösung, ausser dass das miserable Angebot nun mal da ist und sowieso mit den Steuern bezahlt wird, ob man will oder nicht. Es gibt aufgrund fehlender Konkurrenz auch keinerlei Anreize, eine neue teure MRI Maschine zu kaufen oder dafür zu sorgen, dass Notfallzentren auch am Wochenende geöffnet bleiben. Mit der Zeit sinkt so automatisch der Standard im Gesundheitswesen und das ist wiederum eines westlichen Landes nicht würdig.

Der Mittelweg ist unnötig kompliziert

Obama weiss, dass er eine rein staatliche Lösung niemals von seinen Demokratischen Freunden durchbringen kann – diese ist selbst mit einer zahlenmässig Demokratischen Übermacht nicht mehrheitsfähig. Er weiss auch, dass es so nicht weitergehen kann. Also sieht sein Kompromiss vor, den Staat quasi eine eigene Krankenkasse betreiben zu lassen, die keine Auswahl kennt und eine gewisse Grunddeckung allen Bürgern bietet. Er nennt dies die „Government Option“. Dies beruhigt aber einen nicht genügend grossen Anteil der Republikaner, der Widerstand ist immer noch massiv. Pokert der Präsident hoch und sein Plan schlägt fehl, muss Obama sich eine Schlappe gefallen lassen, die an „Hillary Care“ in den Neunzigern erinnert und die Debatte um das Gesundheitswesen wieder für zehn Jahre unnötig einfriert.

Aber wieso denn so kompliziert? Man soll nicht ins eigene Horn blasen, aberfür mich ist die Schweizer Lösung vertretbar und darüber hinaus eigentlich auch die Lösung für die USA.

Zur Erinnerung: der Staat lässt einen freien Krankenkassenmarkt zu, schreibt aber vor, dass Kunden für die im Umfang fest reglementierte Grundversorgung nicht abgelehnt werden dürfen. Die Beiträge für diese Grundversorgung variieren teils stark, aber der Staat verhindert dass dabei Geld verdient wird welches über reine Investitionsrückstellungen hinausgeht. Dies lässt einen Wettbewerb zu – in der kleinen Schweiz tummeln sich 94 Kassen – ohne dass dabei Kranke draussen bleiben müssen. Das Beste daran? Republikaner herhören: der Staat mischt nicht mit! Er betreibt keine eigene Kasse, weil er das nämlich nicht kann. Er belastet die Steuern der Bürger nicht, um uneinsichtige Raucher und Fettfresser zu pflegen. Er muss zwar zugegebenermassen eine gewisse Ausgleichsfunktion wahrnehmen und über Fonds für einen finanziellen Puffer sorgen, aber diese Belastung liegt weit unter dem, was das volle Programm kosten würde.

"Taliban" versprechen Waffenruhe

Ein paar Wochen vor den überaus wichtigen Präsidentschaftswahlen in Afghanistan hat sich die Regierung gemäss Berichten mit "Taliban" Kämpfern über einen unbegrenzten und unüberwachten Waffenstillstand geeinigt. Dem Freudentaumel entgegenwirkend bemerken verschiedene Beobachter, dass es sich hier wohl eher um relativ normale Stammeskämpfer, als um registrierte und Mitgliederbeitrag bezahlende Taliban des offizellen Klubs um Mullah Omar handelt. Diese Kämpfer sind zwar durchaus in der Lage in ihrem (begrenzten) Gebiet einen Waffenstillstand durchzusetzen, sind sie denn wirklich gewillt. Für die offiziellen Taliban sprechen diese Gangs aber keinesfalls.

Nun, es ist verständlich, dass die Regierung um Hamid Karsai zu diesem Zeitpunkt eine erfolgreiche Wahl mit hoher Wahlbeteiligung benötigt. Das Vertrauen der Wähler dürfte in Anbetracht der Sicherheitslage nicht gerade hoch sein, zumal nichteinmal mehr Kandidaten vor Mord sicher sind.

In Helmland konnten die Briten zwischenzeitlich ihre grossangelegte Operation gegen die Taliban gemäss eigenen Angaben erfolgreich beenden.
An der fünfwöchigen Operation "Pantherkralle" hatten sich etwa 3000 britische Soldaten beteiligt. Sie wurden unter anderem von amerikanischen und dänischen Verbänden unterstützt. Es war der größte britische Militäreinsatz seit Übernahme der Verantwortung für Helmand Mitte 2006.
Ein schöner Vergleich hierzu: die Deutschen scheinen nach acht Jahren den Schlüssel zu ihrem Waffenlager endlich gefunden zu haben und setzen jetzt - Achtung - auch schwere Waffen ein.

Ob diese und weitere Aktionen eine ruhige und sichere Wahl ausreichend garantieren, bleibt zweifelhaft. Ist vielleicht jetzt die Zeit für einen Surge gekommen?

Bild: Reuters

Was aus Freunden geworden ist

Das Feuer unsererseits ging unweigerlich im Sommer 2007 aus - dies auch nach einem dankbar wahrgenommenen Gastspiel bei Weapons of Modern Democracy. Das Aggregat hat leider die Zeit nicht überdauert und ich fragte mich unlängst, was sich sonst noch so in der mir damals so vertrauten Blogwelt verändert hat.

Nachdem bei Weapons of Modern Democracy nur noch GayWest mitspielen wollte, ist dieses Blog nun definitiv beim Victory Castle Conspirer untergegangen.

Meine zwei Lieblinge Paul13 und MyGreg freilich haben sich zusammengetan, um gemeinsam dem Irrsinn zu trotzen. Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber daraus geworden ist bisher leider nicht viel. Also ist einmal mehr Paul alleine draussen in der stürmischen Nacht, aber dafür ist no blood for sauerkraut gut wie eh und je und gehört in jeden Feed Reader! Auf eine Rückkehr von MyGreg kann nur gehofft werden.

Politically Incorrect - vor langer Zeit ein prowestliches Bollwerk und Falkennest - ist leider längst in Richtung des staubigen alten Nationalismus abgedriftet. Der Schwerpunkt Islamisierung hat sicherlich seine Berechtigung, mir blieben aber ein paar "Deutschland hat in Afghanistan nichts zu suchen" Beiträge im Hals stecken. Entgegen einiger alten Blogfreunde bin ich nicht bereit, den Jungs und Mädels von PI irgendwelche braune Hemden anzudichten, aber meine Sache ist deren Stil nicht.

Statler und Waldorf sind im Antibürokratieteam untergekommen, einem gut gelungenen Blog der "Sektion der neoliberalen Weltverschwörung". Vielleicht nicht mehr ganz so bunt wie auf der ur-Site, aber man muss bedenken dass dort am Ende eigentlich nur noch Beiträge zu Statlers neusten Gadgets gepostet wurden.

Ein paar Schweizer konnte ich noch finden, Le Mont De Sisyphe beispielsweise. Dort ist die Frequenz ein bisschen gesunken, die Beiträge haben aber an Qualität nichts verloren. Bastian von Freie Gedanken ist mitsamt Blog verschwunden, wie auch ein paar weitere kleinere Operationen aus der Region Zürich.

Auf jeden Fall ist es gut zu sehen, dass ein paar hartnäckige Schreiberlinge in den letzten zwei Jahren wirklich noch geackert haben, während Raw und ich auf der faulen Haut gelegen haben. Danke für eure unermüdliche Arbeit.

Back from the Dead

Nach zweijähriger Pause musste ich mich heute Mittag erstmal wieder mit der Bedienung von Twoday anfreunden; es fühlt sich an wie wenn man nach einer langen Reise in eine einst vertraute Umgebung zurückkehrt. Viel hat sich beim Provider allerdings nicht getan. Gut so, denn wer hat schon die Zeit.

Es ist wenig unterhaltsam, die zwei Jahre Sendepause inhaltlich zu kommentieren. Eigentlich wäre ja an dieser Stelle ein kurzes Review angebracht, so im Stil von "Irak gewonnen, Obama schlägt McCain, der Cavaliere wieder an der Macht, bla bla bla". Hierzu habe ich aber keine Lust und wer hat schon die Zeit.

Ganz im Trend der Rückbesinnung auf die eigenen Werte muss ich mich aber schon fragen, ob ich nicht vielleicht besser zum Team der Livestyle- oder Techblogger wechseln sollte. Ist es noch angebracht, ein Politblog dieser Ausprägung zu führen? Darf man sich eigentlich noch zu den Falken zählen? Oder wichtiger; hat jemand die Zeit sich noch darüber aufzuregen?

Der stärkste Motivator zum täglichen Dampfablassen waren damals meist die geliebten Streitgespräche im Bekanntenkreis. Der geneigte Leser ist sicher beruhigt zu hören, dass ich diese Fights noch führe. Mit ein bisschen weniger Spuke als auch schon, aber ich bin noch dabei. Vor ein paar Wochen musste ich mir in einem besonders intensiven Bargespräch von einem rötlich angelaufenen Gegenüber Menschenverachtung und Weltfremde vorwerfen lassen. Da fühlte ich mich gleich wieder wie zu Hause! Ich kann's also noch geniessen.

Will ich mir das Bloggen erneut antun? Ja, ich will. Spass hat das Schreiben immer gemacht.

Also, da bin ich wieder. West Watch wird von neuem mit den Schwerpunkten Westliche Politik, NATO, Transatlantische Zusammenarbeit und Schweizer Politik operieren.

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Zuletzt aktualisiert: 19. Nov, 07:13

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