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Charles Taylor: The Lord of War

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Charles Taylor wurde vergangene Woche in Nigeria an der Grenze zu Kamerun festgenommen, als er versuchte dem Kriegsverbrecher Tribunal in Simbabwe zu entkommen. Taylors Ergreifung ist ein weiterer Schritt Richtung Frieden für Liberia, wo 14 Jahre lang Bürgerkrieg geherrscht hatte.

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Doch wer war Charles Taylor? Charles Taylor kann zweifelslos als Warlord der Warlords bezeichnet werden. Sein Aufstieg könnte gut aus einem Politischen Thriller stammen:

1972 zog er zum Wirtschaftsstudium nach Boston, machte seinen Abschluß am angesehen Bentley College. Professoren und Studienkollegen erinnern sich an ihn als einen charismatischen Studenten, der pünktlich und immer im Anzug zu den Vorlesungen erschien, mit Strohhut durch die gepflegten Weißenviertel schlenderte und bald die führende Figur unter seinen 35 000 exilierten Landsleuten wurde. Als Vorsitzender der Union Liberianischer Studenten in Amerika agitierte er gegen den hochkorrupten Landesvater Tolbert. Als dieser 1979 auf Staatsbesuch in die USA kam, organisierte Taylor eine Demonstration. Eine wütende Menge versammelte sich vor der liberianischen Botschaft in New York. Um die Lage zu beruhigen, bat Tolbert Taylor ins Gebäude. Drinnen beschimpfte der alternde Autokrat den ungehörigen Jungbürger. Dieser schrie unbeeindruckt zurück. Die Botschaftsangestellten erstarrten. Taylors Auftritt war ein Akt der Rebellion, ein Tabubruch, das Ende einer Epoche. Taylor muß instinktiv realisiert haben, daß er stärker war als Tolbert. Dieser wiederum witterte einen gefährlichen Gegner. Er wechselte die Taktik und bot Taylor einen Regierungsposten an. Dieser griff zu. Das war im Februar 1980. Doch schon vier Wochen später trat eine neue Situation ein. In der Nacht vom 12. April drang eine Gruppe junger Unteroffiziere in den Regierungspalast ein. Die angetrunkenen Uniformierten verstümmelten Tolbert mit Buschmessern, vergewaltigten dessen Frau. Anschließend kurvte der ranghöchste Putschist, der 28jährige Feldwebel Samuel K. Doe, im VW Käfer durch die Stadt und ließ sich als neuer Präsident feiern.

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Nach 133jähriger Herrschaft der Clique der Americo-Liberianer war Doe, ein Angehöriger der Krahn, der erste einheimische Staatschef. Als erste Amtshandlung beförderte sich Doe zum General, dann ließ er Minister und Kabinettsangehörige am Strand von Monrovia öffentlich erschießen. Auch Taylor wurde Doe vorgeführt. Wieder erfaßte er blitzschnell die Situation. Über Nacht war Doe und seinen Kumpanen ein Staat in die Hände gefallen, doch sie wußten nicht, wie man so etwas lenkt. Sie kannten nur ihre armseligen Hütten und Militärkasernen, konnten kaum lesen und schreiben. Sie waren nervös, Taylor konnte es förmlich riechen. "Ihr habt einen Putsch durchgeführt", übernahm er kaltblütig die Initiative, "aber habt ihr auch die Grenzen gesichert?" Fünf-Sterne-General Doe zuckte zusammen wie ein säumiger Wachsoldat. Taylor wußte, daß sein Leben gerettet war. Taylor, der Ökonom, Tennisspieler und Zivilist, zog mit der Armee los, um die Schließung der Grenzen zu organisieren. Als Dank machte Doe ihn zum Chef der für Regierungsaufträge verantwortlichen Behörde für Allgemeine Dienste. Doe war ein sprunghafter Regent. Er hatte viele getötet, fürchtete überall Rachekomplotte, mußte laufend neue Verschwörer umbringen. Weil er niemandem mehr traute, umgab er sich mit Getreuen des eigenen Dschungelstammes und Fetischpriestern seines Dorfes. Es zeugt von Taylors Geschick, daß er sich als einer der wenigen Americo-Liberianer längere Zeit in leitender Position halten konnte. Does chronisches Mißtrauen traf ihn erst drei Jahre später. Doe hatte eine Ermittlung gegen Taylor wegen Veruntreuung von rund einer Million Dollar Staatsgeldern angeordnet - Taylor floh in die USA. Doe ließ einen internationalen Haftbefehl ausstellen, worauf Taylor vom FBI in Plymouth, Massachusetts, festgenommen wurde. Um seine Auslieferung zu verhindern - sie hätte seinen Tod bedeutet -, deklarierte er sich als politischer Gefangener und engagierte den berühmten Bürgerrechtler-Anwalt Ramsey Clark. Erneut überließ er die Entscheidung nicht anderen. Im September 1985 entkam er durch ein aufgesägtes Gitterfenster. Vier Jahre später, am Weihnachtsabend 1989, tauchte er wieder auf. Als Anführer einer Kämpfertruppe von 150 Mann fiel er von der Republik Elfenbeinküste in Liberia ein. Er hatte in Libyen und Burkina Faso Waffen und Geld organisiert und eine Guerillaorganisation gegründet.

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Er wollte Doe töten und die Macht in Liberia übernehmen. Does Regime war in Auflösung begriffen. Er schickte seine Armee gegen Taylor los, aber die Soldaten beschränkten sich darauf, die Dörfer am Weg auszuplündern. Taylor drang rasch vor, seine Truppe wuchs rasant. Überläufer, verängstigte Dörfler, Jugendliche, Kinder schlossen sich ihm an. Es gab zu essen, ein Gewehr, Aussicht auf Beute. Bereits nach acht Monaten stand Taylor vor Monrovia. Die Trophäe Doe aber holte sich Prince Johnson, ein ehemaliger Verbündeter Taylors.

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Zum Beweis, daß er der Sieger war, ließ sich Johnson bei der neunstündigen Folterung des gefangenen Doe filmen.

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Mittlerweile waren alle Ausländer evakuiert, die staatlichen Strukturen Liberias hatten sich pulverisiert, das Land lag schutzlos da. Bis zu sieben Großfraktionen kämpften gleichzeitig. Wer ein paar Kalaschnikows ergattern konnte, gründete ein eigene Bande.

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Es bildete sich eine Kultur der Grausamkeit, welche von keinerlei strategischen Überlegungen geleitet war. Die plündernden und marodierenden Lumpenmilizen bestanden zur Mehrzahl aus Kindern und Jugendlichen, aus verrohten, drogensüchtigen Killern, die unter Anleitung von Grigri-Priestern die Lebern und Herzen ihrer Gegner aßen und sich die gerösteten Genitalien, die sie ihren lebenden Opfern aus dem Leib geschnitten hatten, als Amulette um den Hals banden.

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Taylor unterstützte die kannibalistischen Praktiken seiner Halbwüchsigenverbände nicht. Aber er unterband sie auch nicht. Sie waren ihm gleichgültig, solange man für ihn kämpfte. Er war nicht schlimmer als seine Rivalen oder als sein Gegner von der Liberians United for Reconciliation and Democracy (LURD). Alle rekrutierten sie Kinder und sind verantwortlich für Scheußlichkeiten. Und alle unterschrieben sie Friedensabkommen, die sie brachen, bevor die Tinte trocken war.

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Aber Taylor konnte alle aus dem Feld schlagen. Er überstand auch die Intervention der Ecomog, der Friedenstruppen der Nachbarstaaten. Diese waren in Wirklichkeit außenpolitisches Instrument des damaligen nigerianischen Diktators Babangida, welcher Taylor eliminieren und Doe-freundliche Kräfte zurück in den Präsidentenpalast hieven wollte. Seinen Wahlsieg benützte Taylor 1997, um noch nachhaltiger zu betreiben, was er schon vorher getan hatte: seine Macht zu vergrößern. Er schickte fast die gesamte Armee in den Ruhestand, während er gleichzeitig eine Reihe ihm persönlich ergebener Geheimdienste und grimmiger Eliteeinheiten schuf.

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Er ließ potentielle Gegner zusammenschlagen oder einfach verschwinden. Wie ein mittelalterlicher Fürst verlieh er Gebiete und Rechte an Kriegskumpane. Derweil fütterte die internationale Helfergemeinschaft aus Europäischer Union, kirchlichen Hilfswerken, Scharen von NGOs brav das verarmte Volk durch, flickte die Infrastruktur, baute Brunnen, Schulen, Spitäler. Vielleicht wäre es noch lange so weitergegangen, wenn Taylor nicht die mörderischen Urwaldrebellen der Revolutionary United Front (RUF) im benachbarten Sierra Leone unterstützt hätte. Deren Führer war Foday Sankoh, ein alter Freund Taylors. Seine Kämpfer waren berüchtigt dafür, Dorfbewohnern die Arme abzuhacken. Foday Sankoh lieferte Taylor Diamanten, dieser bezahlte mit Waffen und hielt so den Bürgerkrieg am Köcheln.

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Im Mai 2001 belegte die Uno die liberianischen "Blutdiamanten" mit einem Bann und sprach ein Reiseverbot für Taylor und seine Regierung aus. Mai 2001 belegte die Uno die liberianischen "Blutdiamanten" mit einem Bann und sprach ein Reiseverbot für Taylor und seine Regierung aus. Es folgte die Anklage des UN-Sondergerichts für Sierra Leone wegen Kriegsverbrechen. In derselben Zeit rückten die LURD-Rebellen, die von Guinea aus operieren, das wiederum diskret von den USA unterstützt wird, bis auf Monrovia vor. Im Westen war man entschlossen, die Ära Taylor zu beenden. Taylor spielte auf Zeit. Er werde am 11. August zurücktreten, pokerte er noch im Sommer 2003, falls die Anklage wegen Kriegsverbrechen fallen gelassen werde. Es kam anders. Im August trat er zurück, zog sich ins Exil nach Nigeria zurück, wo er nun gefaßt wurde.
Text Eugen Sorg, Die Welt. Bilder Corbis/Google


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Mittlerweile hat es Taylor bis nach Hollywood geschafft. Oder zumindest seine Figur im Film "Lord of War".


CNNTaylor
Ein Interessantens Portrait gibt es auf CNN zu sehen.



Taylors Schreckensherrschaft war leider nicht die letzte in Afrika. Das ist die Realität in vielen teilen Afrikas. Ähnliche Zustände, oder sogar schlimmere, könnten die EU Truppen im Kongo antreffen, wo nach WHO Schätzungen bis zu 30'000 Menschen im Bürgerkrieg pro Monat umkommen.
In der Hauptstadt ist die Situation aber relativ ruhig und die EU hat schon angekündigt, dass der Einsatz auf die Region Kingshasa beschränkt werden soll. Also wird man es nicht mit Kindersoldaten aufnehmen müssen, auch nicht mit Voodoo-Kriegern. So hofft man es jedenfalls in Brüssel.
Gudrun (anonym) - 3. Apr, 21:18

Danke für diesen ausgezeichneten Bericht!

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Neokonservatismus nennt man eine breite internationale politische Strömung, die durch eine Rückbesinnung auf konservative Werte, in Verbindung mit liberalen bzw. neoliberalen Konzepten in der Wirtschaftsspolitik, scharfer Ablehnung der Politik der 68er-Generation und häufig auch der Betonung einer gemeinsamen westlichen Zivilisation gekennzeichnet ist.
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