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Grossmacht Europa?

Zunächst habe ich mich gefreut, als sich während des Israel-Hisbollah Konfliktes verschiedene Europäische Staaten entschlossen zeigten, eine aktive Rolle zur beilegung der Kriese zu übernehmen. Frankreich, welches auf eine lange beziehung zum Libanon zurückblickt, fühlte sich besonders verpflichtet und war zusammen mit den Amerikanern federführend in der ausarbeitung der Resolution 1701, welche am 14. August 2006 um 7.00 Uhr MESZ in Kraft tratt.
15'000 Soldaten wurden gefordert und Frankreich zeigte sich bereit die Führung des Kontigentes zu übernehmen.
Während den Verhandlungen signalisierte Frankreich noch, es wolle ein paar tausend Soldaten zu senden. In Deutschland gab es zunächst bedenken, ob das Land wegen seiner Vergangenheit überhaupt Truppen senden könne. Diese Zweifel wurden weitgehend beiseite gelegt, nachdem der Israelische Premier Olmert sich für eine Deutsche Beteiligung aussprach. Eine Entsendung von Kampftruppen lehnte die Bundeskanzlerin jedoch ab. Nach der Sitzung der Uno-Truppenstellerkonferenz sprach der Deutsche Un-Botschafter Matussek gegenüber Journalisten - so meldeten es später Agenturen - von Marineeinheiten, die die ganze Küste des Libanons überwachen könnten und von Polizeieinheiten, die an der grenze zu Syrien eingesetzt werden könnten.

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Die Realität sieht aber bis jetzt anders aus: Frankreich hat bis jetzt gerade mal 200 Soldaten einer Pioniereinheit zugesichert, nachdem es eine Zeit lang sogar nur an ein paar Offiziere dachte, was bei der UN für grosse Enttäuschung sorgte. In Deutschland sorgten die Äusserungen von Matussek für Verwirrung. Um so einen AUftrag wahrzunehmen, wären mehrere Fregatten und Schnellboote notwendig. Losgeschickt wurden jedoch nur ein paar Fluzeuge, die Ladungen wie Zelte und humanitäre Güter herumschieben sollen und ein Lazarett-Schiff. Nicht einmal eine Fregatte zur absicherung des Lazarett-Schiffes konnte mitgeschickt werden, da es dazu einen Bundestag-Beschluss bedarf. Auch ein Einsatz der Polizei wurde währenddessen abgeleht. Man könne mit Ausbildung und Beratung helfen, vielleicht bei der Sicherung des Flughafens in Beirut helfen, nicht mehr.
Auch aus England kommt nicht viel mehr: Gerade mal eine Fregatte, ein paar veraltete Jaguar-Flugzeuge sowie zwei AWACS.

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Die ersten Staaten welche ein oder mehrere Bataillone zugesichert haben, sind Indonesien, Malaysia, Nepal und Bangladesch. In Israel ist man darüber nicht gerade begeistert, da Indonesien und Malaysia Israel nicht einmal offiziell anerkennen. Und in Bangladesch deuten viele Zeichen auf das gleiche Schicksal wie es Somalia erlebt hat: eine Übernahme durch Talibanähnliche Gruppen. Das ist noch nicht alles, auch die Qualität der Truppen wird angezweifelt:
"Die Soldaten aus Bangladesch sind katastrophal ausgestattet und ausgebildet", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) zu SPIEGEL ONLINE. Solche Truppen seien heillos überfordert, wenn sie auf Hisbollah-Kämpfer treffen würden. "Die haben Waffen, die sind so alt, dass sie sich damit in erster Linie selbst gefährden" (Spiegel)

Aber noch sind die Würfel nicht gefallen. Italien und die Türkei haben beide ein grösseres Kontingent bis zu 3000 Soldaten angedeutet. Italien erwägt sogar die Führung von Frankreich abzunehmen. Auch von Frankreich könnte mehr kommen. Paris hat angedeutet, es könnte einen massiv grösseren Beitrag leisten, wenn die UN das Mandat klarer definiert. Das war bisher der Hauptgrund wieso Frankreich nur so spärlich Truppen zur Verfügung stellte. Und am diese Woche haben erste Libanesische Truppen den süden erreicht.

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Doch die Zeit drängt. Die Hisbollah ist schon wieder überall. Sie versorgt die Leute mit Hilfsgütern, Al-Manar TV sendet lautstarke Propagande von heroischem Wiederstand und militärischen Erfolgen und sie hat sogar damit angefangen, Gelder an Leuten auszuzahlen, die ihr Heim verloren haben. Dabei mussten die Empfänger lediglich ihren Ausweis zeigen, eine Liste unterschreiben und schon erhielten sie bis zu 9500€. Über die Herkunft des Geldes machte die Hisbollah keine Angaben. Man kann sich aber vorstelle woher die Millionen kommen und welchen Effekt diese Aktion auf die Bevölkerung haben wird. Nasrallah wird schon jetzt wie eine Kultfigur verehrt.

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Europa hat es jetzt in der Hand eine effektive Feurwehrtruppe zusammenzustellen. Dazu gibt es keine Alternative, wenn Europa nicht will, dass die Region in ein paar Jahren wieder durch die Hisbollah in einen Flächenbrand verwandelt wird. Bis jetzt hat die EU Hisbollah nicht einmal auf ihre Terrorliste gesetzt und Italien sieht in der Organisation gar eine legitime Partei. Das ist sicher kein guter Start.
Wingman - 19. Aug, 16:36

Blamage für die UN

Die Zusammenstellung der UN-Blauhelme für den Süden des Libanon wird für die Vereinten Nationen langsam zu einer Peinlichkeit, die den Kritikern der Organisation zu Gute kommen dürfte.

Anfangs war die Rede von 20.000 Blauhelmen, jetzt sind es nur noch 15.000. Frankreich, das über ein gut ausgebildetes Militär verfügt, ist zwar bereit, die Führung einer multinationalen Truppe zu übernehmen, lehnt es aber ab, mehr als 200 Soldaten zu entsenden. Unterdessen bieten die beiden mehrheitlich islamischen Länder Indonesien und Malaysia jeweils 1.000 Blauhelme für den Südlibanon an, werden aber von Israel abgelehnt, weil beide Staaten Israel gar nicht anerkennen. Zudem unterhalten sie exzellente Beziehungen zum Iran - dem Erzfeind Jerusalems. Der Botschafter Israels bei den Vereinten Nationen, Dan Gillerman, sagte gegenüber der britischen BBC, eine Teilnahme der beiden Staaten sei "unvorstellbar". Unklar ist, warum Gillerman erst jetzt mit dieser Kritik an die Öffentlichkeit tritt, aber auch, wie die beiden asiatischen Staaten überhaupt auf die Idee gekommen sind, sich für diese heikle Mission zu melden.

Noch skurriler ist eine Aussage des indonesischen Verteidigungsministers Juwono Sudarsono. Der Zeitung "Jakarta Post" sagte er, seine Truppen würden sich weigern, die Hisbollah zu entwaffnen. Sein malaysischer Amtskollege Najib Tun Razak machte deutlich, ihm sei es egal, ob Israel Vorbehalte gegenüber seinen Soldaten habe, solange sie im Libanon willkommen wären. Eine Entwaffnung der Hisbollah könne er sich nur vorstellen, wenn auch Israel entwaffnet werden würde.

CptEggman - 20. Aug, 19:05

Von Wingman zitiert aus Blamage für die UN, von Hommy Dara (N-TV).
HM (anonym) - 22. Aug, 13:56

Unseriöse Berichterstattung

"Erzfeind Jerusalems" ? Was soll das denn bedeuten ?

Wenn sich die Truppe weigert die UN-Resolution umzusetzen dann sollen sie doch bleiben wo sie sind.

HM
Wingman - 19. Aug, 17:30

Tragisch

Es ist zum heulen. Jetzt hat die UNO endgültig bewiesen, dass sie nichts anderes als eine unsinnige und wirkungslose Geldschleuder ist. Man hat sich mal zusammengesetzt und eine Resolution auf die Beine gestellt. Jedoch, weil ja jede Nation seine eigenen Interessen, seien diese nun von politischer oder religiöser Natur, durchsetzen will, kam diese nur nach langem hin und her zustande. Weiter ist es in höchstem Masse bedenklich, dass niemand so genau weiss, was diese Resoltion genau beinhaltet. Dies eklärt natürlich, warum Frankreich mit Truppenentsendungen "spart". Ferner kann es nicht sein, dass ein Völkerbund in einer derart bedenklichen Situation, wie wir sie im nahen Osten haben, derart zaghaft und orientierungslos reagiert. Wir haben dort ein Pulverfass. Und wenn dies detoniert, haben wir Folgen unvorstellbarem Ausmasses. Der nahe Osten bestimmt, so ungern ich das auch sagen, unsere Zukunft. Es ist eine absolute Katastrophe, wenn Länder Truppen in die "Pufferzone" schicken wollen, die nicht einmal das Existenzrecht Israels anerkennen, geschweige denn, die Hisbollah entwaffnen wollen. Von mir aus ist dieser Jassverein namens UNO aufzulösen. Deren Gelder können meiner Meinung nach besser eingesetzt werden.

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