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Bloody Iraq - Ist die Aussenpolitik der Neocons gescheitert?

Es war einfach, am Freitag Nachmittag das Argument in die Debatte zu führen, mit dem neusten Pentagon Report werde die Neocon Aussenpolitik des Weissen Hauses definitiv zu Grabe getragen. Er ist wirklich ziemlich schrecklich, dieser Report. Gemäss den neusten Statistiken sind im Juli bei religiös motivierter Gewalt im Irak über 1800 Menschen gestorben, die meisten davon regelrecht Exekutiert. Fast alle Toten sind Zivilisten.

Verfolgt man die Tageszusammenfassungen - mehr ist ja in den Medien nicht mehr zu erfahren - kann man schon Depressionen kriegen. Da sterben im schiitischen Norden Bagdads Menschen im Katyuscha-Hagel, ein Schicksal mit dem sich die Bewohner Haifas gut identifizieren könnten. Fast tägliche Bombenanschläge auf Märkte, Schulen, Polizeistationen und Wohngebiete runden das Massaker am Irakischen Volk quasi ab.

Pulverfass und Wespennest

Gegner des Irakkriegs sind in einer guten Position. Den mahnenden Finger gehoben können sie es meist nicht unterlassen, auch noch ein "ich hab's ja immer gesagt" über die Lippen zu schieben.

Der Irak wurde erstmals im Jahre 1991 zur No-Go Zone deklariert. Saddam war aus Kuwait vertrieben, seine Armee lag im Chaos, und die Menschen waren in Aufruhr, die Veränderung riechend. Es sollte sich aber nichts ändern, denn der Westen hatte im Hinterzimmer bereits entschlossen: Regime Change im Irak ist militärisch machbar, ein darauffolgendes Nation Building nicht. Zu stark seien die Spannungen zwischen Sunis und Schiiten, von den Kurden ganz zu schweigen. Überhaupt würden die Türken eh über jene herfallen, bevor der letzte Schuss gefallen sei. Und dann erst der Iran!

Die Verfechter der zugegebenermassen recht feigen aber standhaften Theorie des Pulverfasses waren auch 2003 wieder im Ring. Nichts habe sich geändert, man wolle keinen starken Iran und schon gar nicht ein neues Schlachtfeld für Terroristen. Wir erinnern uns gerne an die Flächenbrandtheorien einiger TV Kommentatoren in jener Zeit.

Enter the Neocons

Bush, mutig auf seine neokonservativen Berater hörend, liess sich nicht beirren. Regime Change musste herbeigeführt werden, Schwierigkeiten hin oder her. Mit gewohnt positiv amerikanischem Denken war der Krieg rasch gewonnen. Ein grandioser Sieg für eine Ideologie, welche Jahrzehntelang an eine Wand geredet hatte: Von den Linken als Kriegstreiber verschrien, von den Paläokonservativen als Einmischer in fremde Händel geächtet: die Neocons ritten endlich und erstmals auf der Welle des Erfolges. Multilateral in Afghanistan, ziemliche unilateral und ohne Mandat im Irak. Regime Change ist möglich, die internationalen Hintergrundgeräusche spielen dabei keine Rolle.

Die Idee stirbt nicht

Regime Change bedeutet aber vorallem eins: Befreiung der Ketten. Eine Nation, welche aus den Klauen und Zähnen eines Terrorregimes befreit wird, kann nicht ewig gehätschelt werden. Es ist gerade dieser Drang nach Selbstbestimmung, den die Neocons als universell vorhanden sehen. Ein Land, eine Gesellschaft muss seine Zukunft selbst schreiben, keine Armee der Welt kann sie ihr aufzwingen. Und vorallem muss sie dies wollen.

Es brauchte 10 Jahre Bürgerkrieg im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien, bis sich die heute recht stabilen Strukturen abzeichnen konnten. Wer kann schon sagen, wie der Irak zu seiner Zukunft finden kann? Vielleicht müssen wir den Bürgerkrieg respektieren, auch wenn wir ihn nicht begrüssen.

Parlamentarischer Diskurs oder Bürgerkrieg. Frieden oder Krieg. Was richtig für den Irak ist, bestimmen die Iraker. Und dass sie dies seit 38 Jahren erstmals frei können, ist noch immer der Verdienst der heute wie damals verhassten Neocons.

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Neokonservatismus nennt man eine breite internationale politische Strömung, die durch eine Rückbesinnung auf konservative Werte, in Verbindung mit liberalen bzw. neoliberalen Konzepten in der Wirtschaftsspolitik, scharfer Ablehnung der Politik der 68er-Generation und häufig auch der Betonung einer gemeinsamen westlichen Zivilisation gekennzeichnet ist.
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