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Hau den Blocher

Die schweizerische Linke, immer noch zutiefst gekränkt vom überwältigenden JA an der Urne am 24. September, unterlässt dieser Tage nichts, Bundesrat Blocher anzugreifen. Blocher, schon seit seiner Zeit als Oppositionspolitiker als Luzifer schlechthin dargestellt, scheint der Barrage von Hieben im Moment kaum noch entfliehen zu können.

Erst zweifelt er - zu Recht - bei einem Türkeibesuch am (wahrscheinlich) verfassungswidrigen Anti-Rassimusgesetz, dann trampelt er ins Fettnäpfchen der Armenierfrage und nun hegt er im neusten Fall Zweifel an der Wirksamkeit der Entwicklungshilfe in Afrika.

SP Linksaussen Andreas Gross, bekannt als Ur-Armeeabschaffer, bezichtigt Blocher direkt des Rassismus. Dieser habe in einer Sitzung der Staatspolitischen Kommission (SPK) die Afrikaner pauschal als "faul" bezeichnet. Gross wird nicht müde, den Vorwurf zu wiederholen, obwohl das Protokoll der Sitzung, welches mittlerweile auszugsweise veröffentlicht wurde, nichts dergleichen aufzeigt:
Blocher:
Wir bezahlen heute 400 Millionen Franken Entwicklungshilfe allein an Afrika. Über den Nutzen will ich nicht sprechen. Als Wirtschaftsmann erkenne ich keinen.

Man hilft ein bisschen. Wollte man die Situation verbessern, müsste man Kredite geben, um ein wirtschaftliches und ökonomische Vorankommen zu ermöglichen. Ich habe einige Erfahrungen, weil ich vor 20 Jahren zwei Fabriken in Afrika gebaut habe. Nach zwei Jahren konnte man sie nicht mehr betreten.

Es gibt dort keine entsprechende Kultur, obwohl die Menschen in der Schweiz ausgebildet wurden...Wie man mit Afrika verfahren soll, weiss ich nicht... Es sich selbst zu überlassen wäre eine Möglichkeit...Einfach Entwicklungshilfe zu leisten oder ihnen Dinge zu teuren Preisen abzukaufen; das sind doch keine Rezepte...
Ich habe mit europäischen Ministern über die Entwicklung eines Marshallplans für Afrika diskutiert wie es einen in Deutschland nach dem Krieg gegeben hatte.
Blocher spricht an, was in Europa niemand darf: dass die Entwicklungshilfe so wie wir sie heute betreiben nichts bringt. Daniel Ammann hat in der aktuellen Weltwoche einen Artikel verfasst, der das Problem für einmal wirklich unverblümt angeht.
Seit vierzig Jahren pumpt der Westen Hunderte Milliarden nach Afrika. Der Geldsegen löst keine Probleme, er schafft sie: Die Entwicklungshilfe fördert korrupte, inkompetente Regierungen, sie verhindert Reformen und schädigt die Demokratie.
Allein dieser Artikel - leider kostenpflichtig- , welcher auch ein Interview mit einem afrikanischen Ökonomen beinhaltet, ist ein Kauf der Weltwoche wert.

Zusätzliche Infos zum Thema: libertaer.blog.de
tin (Gast) - 17. Okt, 13:35

Blocher sagt nichts neues - wer nur ein bisschen Einblick in die Entwicklungshilfe hat und auch Dinge von Experten gelesen hat, weiss, dass auch dieses Thema viele Facetten hat und auch Probleme aufweist - wie jede Thematik mit dieser Komplexität. Dazu brauche ich keine Weltwoche zu lesen.

Bocher sagt nichts Neues - auch mit der Infragestellung des ARG nicht - auch da weiss man, dass die Auslegung im konkreten Fall für die Gerichte nicht ganz einfach ist.

ABER: Wozu Blocher diese alten Tatsachen auftischt, das ist das Problem und der Skandal. Da geht es doch nur um populistische Propaganda - einmal mehr auf dem Buckel der Minderheit. Es ist halt so bequem, Sündenböcke zu schaffen und denen für alles die Schuld in die Schuhe zu schieben. Hat Herr Blocher je mal was zu den astronomischen Löhnen der Mangager gesagt? Zeigst du mir diesen Weltwocheartikel?

CptEggman - 17. Okt, 13:40

Da geht es doch nur um populistische Propaganda - einmal mehr auf dem Buckel der Minderheit.

Propaganda für was? Für zwei bereits gewonnene Vorlagen?

Ach die Managerlöhne; das scheinbar grösste Problem der Schweiz. Gut, wenn wir keine anderen mehr haben! Hierzu das, aber den kennst du ja schon. Die Antwort bist du mir nämlich noch schuldig! :)
tin (Gast) - 17. Okt, 15:49

Auf was hättest du gerne Antwort? Muss ich erklären, was Populismus ist. Muss ich erklären, was ständige Hasspropagana auf Minderheiten und Randgruppen so alles bewirken kann ("Scheininvalide", "Scheinasylanten")?

Nein die Managerlöhne sind nicht das grösste Problem - aber typischerweise ist das kein Thema der Populisten, die ja selber gute Gagen garnieren. Wenn Millionäre und Miliardäre auf Minderheiten rumtrappeln und Entsolidarisierung zum politischen Programm machen, dann wirds mir mulmig - als hätten wir das nicht alles schon mal gehabt...
CAK (Gast) - 17. Okt, 16:06

Man mag von Blocher halten, was man will (ich gehöre eigentlich nicht zu seinen Anhängern), aber wie wärs mal mit fundierter Kritik? Gemäss TIN sagt Blocher nichts Neues (gibt er somit ihm in der Sache recht?), meint aber, dies zu sagen sei populistisch. Warum hat Blocher dann die Türkei und eine (vertrauliche) Kommissionssitzung gewählt, um seine Kritik anzubringen und nicht die Arena? Da plaudert Gross aus, was Blocher in einer vertraulichen Sitzung gesagt, und TIN schimpft letzteren populistisch...

Im übrigen hat sich Blocher vehement für die Offenlegung der Manager-Gehälter bei börsenkotierten Unternehmen eingesetzt (was ihm in einschlägigen Kreisen als populistisch angekreidet wurde).

Politiker sind meistens populistisch, sonst werden sie nicht mehr gewählt; dabei habe ich nicht den Eindruck, dass Blocher allzusehr aus der Reihe tanzt.
CptEggman - 17. Okt, 16:10

Aber aber CAK, populistisch sind nur die Rechten Politiker! Weiss doch jedes Kind.
CAK (Gast) - 17. Okt, 16:20

Populistisch ist die Mehrheitsmeinung, wenn ich zur Minderheit gehöre.
CptEggman - 17. Okt, 16:20

Perfekt!
tin (Gast) - 17. Okt, 16:27

Lies mal über Populismus, z.B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Populismus

Und da kommt auch Opportunismus vor - und Lösungsvorschläge werden durch Schlagworte ersetzt... Populismus ist "etwas mehr" als einfach eine Meinung.
CptEggman - 17. Okt, 16:31

@TIN

Ah, du meinst populistisch! Wie z.B. "Kein Blut für Öl" oder "Schluss mit Abzocker-Manager" oder "Völkermordzentrale U-S-A" oder "Kein Mensch ist Ilegal" oder "Atomkraft - Nein Danke" oder.... soll ich fortfahren?

Da überzeugt mich CAK's Definition weitaus mehr: Populistisch ist die Mehrheitsmeinung, wenn ich zur Minderheit gehöre.
tin (Gast) - 17. Okt, 17:56

@CPT
Nur ist das eben nicht die Bedeutung von Populismus - populistisch ist nur das Adjektiv davon. Wie soll man noch diskutieren können, wenn man gängige Definitionen einfach ändert? Was Populismus, was populistisch ist, ist doch eigentlich klar definiert.

"Scheininvalide", "Scheinasylanten", "Afrikaner sind faul", "Das AGR macht mir Bauchweh" sind ähnlich populistische Sprüche.
gebsn - 17. Okt, 14:43

Verfassungswidrig?

Über die Anti-Rassismus-Norm kann man ja diskutieren. Allerdings fragt es sich, ob nach der Annahme beim Stimmvolk 1994 dies bereits heute nötig ist? Nun, es ist halt Wahlkampf. Aber verfassungswidrig? Das hab ich noch nie gehört.

P.S. Unser Chrigel ist sicher nicht so dämlich, dass er in Fettnäpfchen tritt. Er weiss sehr genau, was er macht und wie man Themen setzt.

CptEggman - 17. Okt, 14:57

Verfassungswidrig!

Bundesverfassung Artikel 16-1
Die Meinungs- und Informationsfreiheit ist gewährleistet.

Bundesverfassung Artikel 16-2
Jede Person hat das Recht, ihre Meinung frei zu bilden und sie ungehindert zu äussern und zu verbreiten.

Vorallem den zweiten Artikel einer modernen Political Correctness zu opfern, finde ich fatal. Das Problem ist, dass sicher jeder als Rassist, Nazi und Kinderfresser outet, der was dagegen hat.

Mir geht es darum, frei sagen und denken zu dürfen was ich will. Solange es nur einen einzigen Gesetzesartikel gibt, der mir nur ein einziges Thema verbietet, ist mir dieses Grundrecht entzogen.

Das gilt übrigens auch für meine Freunde: es ist z.B. ebenso störend für mich, dass es verboten ist, den Holocaust zu leugnen. Ein David Irwing diskreditiert sich jeden Tag selbst, dafür brauchen wir den Staat nicht.
tin (Gast) - 17. Okt, 15:52

Den Holocaust oder einen Genozid zu leugnen gehört eben nicht zur Meinungsfreiheit. Immer wieder wird offenbar gemeint, "Freiheit" meine, alles und jedes machen zu dürfen. Nur haben solche den Begriff offenbar immer noch nicht verstanden.
gebsn - 17. Okt, 15:58

Da muss ich als Jurist ...

... kleinlich sein. Nur weil ein Eingriff in die Meinungsfreiheit besteht, heisst dies noch lange nicht, dass er verfassungswidrig ist. Jedes Grundrecht kann unter den Voraussetzungen von Art. 36 BV eingeschränkt werden.

Solange also eine gesetzliche Grundlage besteht (die haben wir ja mit StGB 261 irgendwas), ein öffentliches Interesse besteht, der Eingriff in die Meinungsfreiheit verhältnismässig ist und der Kerngehalt der Meinungsfreiheit nicht betroffen ist, ist die Anti-Rassismus-Norm rechtmässig und nicht verfassungswidrig.
CptEggman - 17. Okt, 16:04

@TIN
Und wer bestimmt, was "Freiheit" bedeutet? Wer definiert, was eine legitime Meinung ist und was nicht? Du? Ich?

Extreme Meinungen - "Holocaust nie passiert", "Ausländer an die Wand" - haben nie eine Chance. Nicht mehr seit 1933, was nun doch auch schon eine Weile her ist. Wir haben gelernt und brauchen kein Gesetz, um einen Idioten zu erkennen.
CptEggman - 17. Okt, 16:08

@GEBSN

Erwischt - ich bin kein Jurist und deine Aussage klingt sehr fundiert.

Ich sage: was bringt mir mein verfassungsmässiges Recht auf Meinungsfreiheit, wenn jedes dahergelaufene Parlament ein widersprüchliches Gesetz gemäss Art. 36 BV erlassen kann?

Worauf Du bestimmt sagst: Tja, so sind die Spielregeln.

Hast Recht. Aber eben, ich schrieb schon dass ich es bedenklich finde, ein derart definierendes Grundrecht auf Grund einer PC Modeerscheinung zu opfern.
gebsn - 17. Okt, 17:21

Das Volk hat immer recht

Genau: Das sind die Spielregeln (der Verfassung!). Die Verfassung sieht ja selber die Möglichkeit vor, die Grundrechte einzuschränken. Also ist prinzipiell nichts gegen ein Gesetz einzuwenden, welches nach den Prinzipien von Art. 36 BV erlassen worden ist.

Da alle Macht vom Volk ausgeht und wir keine resp. eine sehr eingeschränkte Verfassungsgerichtsbarkeit haben, kann man mit Gesetzen aber nicht nur Grundrechte einschränken sondern sogar verfassungswidrige Gesetze erlassen (z.B. beim so genannten Hooligangesetz, bei welchem der Bund gar keine Gesetzgebungskompetenz hat).
tin (Gast) - 17. Okt, 18:00

Tja, das Volk hat immer recht... Damit ist man in der Geschichte - es ist noch nicht so lange her - auch ganz schön auf die Schnauze gefallen - daraus gabs den 2. Weltkrieg und Millionen von Toten... Das Volk hat also immer recht? Ich habe da meine Zweifel.
tin (Gast) - 17. Okt, 18:02

Das Volk hat immer recht. Den Spruch bringt man, wenn es gerade passt. Das Schweizervolk hat zum ARG ja gesagt - hier aber stimmt für Blocher der Satz offenbar nicht mehr... Eben - populistisch - wie es gerade so passt.
gebsn - 17. Okt, 19:53

@ Tin

Da hast du schon recht. Aber von dieser grundsätzlichen Prämisse muss man in einer Demokratie halt ausgehen. Voraussetzung ist aber natürlich, dass die Stimm- und Wahlberechtigten auch immer die richtigen und wichtigen Informationen haben.
CptEggman - 17. Okt, 20:28

@TIN

Moment, das Volk ist es gewohnt, nach Abstimmungen stets von den Einen in den Himmel gelobt, von den Anderen als hinterwäldlerisch verflucht zu werden. Und da man ja nicht sagen kann "die Leute sind zu dumm, das richtige zu wählen" faselt man von "populistischer Kampagne der Gegenseite", "falsche Informationen", etc.

Keine der beiden Seiten hat bisher einen Entscheid des Volkes einfach so akzeptiert. Und im Moment spürt der Stimmbürger gerade den Schmerz der verkaterten Linken, die uns einmal mehr als Rassisten, Bigote und Mauerbauer verflucht. Sehr populistisch!

Bei der nächsten Abstimmung dürfen wir dann vielleicht wieder die Rechte erzürnen, wer weiss.
CptEggman - 17. Okt, 20:31

@TIN

Das Volk hat also immer recht? Ich habe da meine Zweifel.

Was du da indirekt sagst, ist erschreckend. Für dich scheint Demokratie eine feine Sache zu sein, solange die Entscheide nicht die Grenzen deines ganz persönlichen Gärtchens sprengen. Was ist die Alternative? Eine gelenkte Demokratie? Wo ich zwar noch zwischen dunkel- und hellgrau, aber nicht blau wählen kann? Weisst du wo es genau das gibt?

Im Iran.

Ui, TIN, da würde ich eine Erklärung nachschieben.
tin (Gast) - 17. Okt, 20:38

@CPT
Du meine Güte, merkst du es denn nicht? Genauso hat Herr Blocher argumentiert. Das Volk hat dem AGR zugestimmt - aber er hat jetzt "Bauchweh" - also stellt er die Entscheidung des Volkes in Frage und will das Gesetz ändern. Aber da scheint für Herr Blocher offenbar das Volk doch nicht recht gehabt zu haben.
CptEggman - 17. Okt, 20:39

also stellt er die Entscheidung des Volkes in Frage und will das Gesetz ändern. Aber da scheint für Herr Blocher offenbar das Volk doch nicht recht gehabt zu haben.


Und genau da habe ich dir oben Recht gegeben. Alle Seiten tun das.
tin (Gast) - 17. Okt, 21:27

Ja und jetzt? Er darf das also. Ihm kommst du nicht mir Iran und so?
Für IHN scheint Demokratie eine feine Sache zu sein, solange die Entscheide nicht die Grenzen SEINES ganz persönlichen Gärtchens sprengen. Was ist die Alternative? Eine gelenkte Demokratie? Wo ich zwar noch zwischen dunkel- und hellgrau, aber nicht blau wählen kann? Weisst du wo es genau das gibt?
Schon interessant, wie mit verschiedenen Ellen gemessen wird..
CptEggman - 17. Okt, 21:34

Jetzt machst du es dir schon wieder einfach, TIN. Ich habe nirgends gesagt, Chrigel dürfe das. Welchen Teil von
Und genau da habe ich dir oben Recht gegeben. Alle Seiten tun das.
verstehst du nicht?

Iran: Du - nicht Chrigel - hast gesagt
Das Volk hat also immer recht? Ich habe da meine Zweifel.
Anderes Thema, TIN.
tin (Gast) - 17. Okt, 22:14

"Alle tun das" - wohl kaum. Schon nur was da in der Bloggerszene Blocher in Schutz genommen wird... Kaum zu glauben. Aber egen - nochmals - ein typisches Beispiel von Populismus. Und ich habe das extra so geschrieben, um deutlich zu machen, dass es eben gerade BRB ist, der genau so handelt. Verstanden jetzt?
CptEggman - 17. Okt, 22:26

@TIN

Ich sehe, du wirst wohl meine zweimal erbetene Präzision nicht mehr in diesem Jahr liefern, sondern mir noch ein paar weitere Posts lang vorwerfen, deinen einfach gestrickten Standpunkt nicht verstanden zu haben.

Trotzdem angenehme Nachtruhe. Und pass auf, BRB lauert vielleicht im Schrank um dich im Schlaf zu polemisieren!*

* Das war ein Witz, gell, nicht falsch verstehen, ich weiss dass dies nicht wirklich ein Verb ist
tin (Gast) - 18. Okt, 14:56

Präzisierung für was? Oder meinst du zu "populistischer Propaganda"?

Ja klar ist die Abstimmung vorbei - aber es kommen weitere - und Propaganda ist ein etwas längerdauerndes Projekt, um ein entsprechendes Klima zu schaffen. Da ist die SVP schon "ziemliche" lange dran - über Messerstecher-Insertate, gefälschte Statistiken usw. usf. Und dazu gehört "halt" offenbar auch die Provokationen des BRB. Er hat aber offenbar immer noch nicht begriffen, dass er nicht Führer der SVP sein kann und gleichzeitig Bundesrat.
anaximander - 19. Okt, 12:06

tin,

hat immer Recht, er besteht darauf, Recht zu haben. Der Antirassimus-Artikel ist - immer nach tin - des Nachdenkens nicht wert.

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